Intronische Mutationen

(siehe auch Spleißen sowie Splicing und Krankheiten)

Zur Erklärung der intronischen Mutation muss der Aufbau eines Gens kurz erklärt werden. Hier wird bewusst eine grobe Vereinfachung gewählt! Weiterführende Erläuterungen sind jeweils auf Wikipedia zu finden (Links sind im Text).

Die DNA ist eine Folge von Nukleotiden (den Basenpaaren), die die genetischen Informationen eines Organismus enthält.

Als Gen wird ein Abschnitt auf der DNA bezeichnet, der Grundinformationen für Zellfunktion o.ä. enthält. Beim Thema Fabry geht es z.B. um die Information, wie das Enzym Alpha-Galaktosidase produziert wird (GLA-Gen). Das Gen besteht aus verschiedenen Teilstücken. Grob vereinfacht gibt es einen Startpunkt, dann kommen abwechselnd Introns und Exons, zum Schluss ein Stopp-Punkt.

Introns sind Bereiche, die keine Informationen für das Endprodukt enthalten, jedoch können sie Einfluss auf den Prozess der Enzymherstellung haben. Die Exons beinhalten den eigentlichen Bauplan für das Enzym.

(5‘ UTR und 3‘ UTR sind die Fachbegriffe für Anfang und Ende des Gens)

Beim Erstellen des Enzyms wird das Gen „abgelesen“, die Introns werden herausgelöst und die Exons werden zur Produktion des Enzyms verwendet.

Die Unterscheidung, was Intron und was Exon ist, trifft die Zelle anhand bestimmter Abfolgen der Nukleotide (Basenpaare), den Intron-Exon-Übergängen.

Theoretisch würde eine Mutation innerhalb eines Introns also keinen Einfluss auf das fertige Enzym haben, da dieser Bereich ja „überlesen“ bzw. herausgelöst wird, bevor das Enzym anhand der Exons erstellt wird. Das ist auch die Meinung der meisten Fabry-Spezialisten. Leider gibt es da ein kleines Problem. Wenn die Übergänge zwischen Intron und Exon kaputt sind oder durch Mutation innerhalb eines Introns plötzlich ein neuer Startpunkt für ein Exon entsteht, dann gibt es falsche Informationen, obwohl der eigentliche Bauplan korrekt ist. Es wird kein funktionierendes Enzym erzeugt!

D.h.: nicht jede intronische Mutation hat einen Einfluss auf das fertige Enzym, aber es ist nicht auszuschließen.

Da die Introns den überwiegenden Teil eines Gens ausmachen, beim Gentest auf Fabry aber in der Regel nicht erfasst werden, ergibt sich eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit, dass auch krankmachende intronische Mutationen übersehen werden. Somit sollten bei Verdacht auf einen Gendefekt wie Morbus Fabry immer auch die Introns getestet werden.